Simon Grotelüschen


Archiv

16.08.2010
12. Platz der Weltcup-Gesamtwertung

16.08.2010
Weltcup in Weymouth/GB

03.08.2010
1.Platz

08.07.2010
18. Platz in der Weltrangliste

26.06.2010
5. Platz Kieler Woche

19.06.2010
Europameisterschaft

01.05.2010
4. Weltcup in Hyères/Frankreich

02.04.2010
3. Weltcup vor Palma de Mallorca

15.03.2010
Podestplatz beim Grade 1 in Clearwater/USA

30.01.2010
2. Weltcup: Miami Januar 2010

21.12.2009
Sail Melbourne 2009

01.06.2009
1. Platz bei der „Young European Sailings“-Regatta in Kiel:

20.10.2008
Internationale Deutsche Meisterschaft der Laserklasse 2008

10.08.2008
Europameisterschaft in Nieuwport/Belgien

20.02.2008
Weltmeisterschaft der Laser vor Sydney/Australien 20.02.2008

15.12.2007
3.Platz Olympic Week Gran Canaria/Las Palmas

10.10.2007
2. Platz Deutsche Meisterschaft am Chiemsee

06.08.2007
118. Travemünder Woche, Sieg beim Heimevent

17.07.2007
ISAF Weltmeisterschaft Cascais/Portugal

25.06.2007
Willkommen auf meiner Website

News

20.02.2008
Weltmeisterschaft der Laser vor Sydney/Australien 20.02.2008

Leistung ist planbar, aber Erfolg…?
Meine Vorbereitung zur Weltmeisterschaft in Sydney/Australien verlief so, wie man es sich wünscht: Solide Leistungen in vielen Trainingsstunden in Kiel, Bordeaux/Frankreich, Santander/Spanien sowie Las Palmas/Gran Canaria und gute Ergebnisse in den Vorbereitungsregatten zeigten mir: Es geht voran. Ich kann es packen! Das Ziel: Top10 bei der kommenden WM in Australien und damit direkte Qualifikation zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking.

Dann kam die Anreise nach Australien. Wahrscheinlich kennt bereits ganz Segeldeutschland diese Geschichte. Kurz zusammengefasst lief es so ab: Der Bundeskader beauftragte ein Reisebüro die Reiseplanung zu übernehmen, welche uns Seglern und unserem Trainer einen Flug über London/GB, Seattle/USA nach Sydney in Australien buchen sollte. In Seattle angekommen wurden wir darüber informiert, dass das Reisebüro uns versehentlich einen Flug nach Sidney im Nordosten der USA liegenden Bundesstaat Montana gebucht hatte. Nach 2 Nächten Hotel-Aufenthalt in Seattle hatte uns unser Teammanager einen Weiterflug über Los Angeles ins australische Sydney organisiert. Anwälte waren in der Zwischenzeit eingeschaltet worden, das Reisebüro war stark insolvent gefährdet. Irgendwie hatte außerdem die Presse von der Story Wind bekommen, weshalb in den darauf folgenden Tagen die gesamte deutsche Tagespresse sowie ARD und ZDF über unsere „Weltreise“ berichtete.

Ich will nicht darüber spekulieren, wer den größten Anteil an diesem Dilemma trug. Ich kann nur sagen, dass uns Sportler keine Schuld trifft. Jegliche Reiseorganisation hatten Trainer, Betreuer und Funktionäre sowie das Reisebüro übernommen. So hatte ich z.B. die Reisetickets nie gesehen.

Auch wenn wir uns der Situation angepasst und uns Seattle angeschaut haben, kamen wir natürlich drei Tage verspätet in Australien an, was eine deutliche Verkürzung der wichtigen Vorbereitungszeit bedeutete. Als ich mich dann endlich akklimatisiert hatte und das Revier testen wollte, erwischte mich auch noch ein heftiger Virus. Drei Tage lang lag ich mit bis zu 40° Fieber im Bett. Auch wenn ich noch vor der Regatta wieder gesund wurde, war ich erst einmal sehr geschwächt. Natürlich beginnt man außerdem über Sinn und Zweck einer monatelangen Vorbereitung nachzudenken, wenn man dann eine Sechstageanreise hat und auch noch mit hohem Fieber tagelang im Bett liegen muss, während sich die Konkurrenz auf die Bedingungen des WM-Reviers einstellen kann. Alles ausgerechnet vor der wichtigsten Meisterschaft in meinem Leben. Nun gut, man muss die Dinge nehmen wie sie sind. Drei Tage hatte ich immerhin noch, das Revier zu testen. Auch wenn für mich die riesigen Wellenberge zunächst gewöhnungsbedürftig waren, hatte ich ein gutes Gefühl. Mehrere Monate Vorbereitungszeit lagen hinter mir. Mit internationalen Trainingspartnern hatte ich im Ausland trainiert und im Dezember bei der „olympischen Segelwoche“ auf Gran Canaria einen hervorragenden 3. Platz ersegelt.
Es konnte also losgehen. Startschuss zur WM 2008. Meine Chance, mich für die Olympischen Spiele in Peking zu qualifizieren.

Ich kam gut in die Regatta hinein. Nach vier Wettfahrten lag ich in Schlagdistanz zu den top10. Zwar hatte ich bereits einen „Streicher“, doch außerdem drei top8 Plätze eingefahren. Dann kam die 5. und letzte Wettfahrt der Vorrunde. Ich wusste, bei einem weiteren top8 Platz würde ich in der Zwischenwertung unter den besten 10 platziert sein.
Zunächst lief alles nach Plan: Guter Start Mitte links, sofortige Übernahme der Feldkontrolle bei 4Bft zunehmend, Platz 5 an der Luvtonne. Ich war mit meinen Kräften fast am Ende, wusste allerdings, dass es jedem so ging. Ich kämpfte also weiter.

Nach dem Vorwind lag ich bereits unmittelbar hinter dem Führenden auf Platz 2. Doch plötzlich merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Das Feld drehte ab und fuhr zu einer völlig anderen Tonne. Was war passiert? Aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse – wir befanden uns inmitten zweier Gewitterfronten – war das komplette Feld zur falschen Tonne gefahren. Als es schließlich einer bemerkte, war es für mich bereits zu spät. Statt meinen zweiten Platz nach Hause zu fahren, war ich plötzlich Vorletzter. Einige gaben völlig erschöpft und frustriert auf. Ich kämpfte mich immerhin noch 30 Plätze nach vorne und wurde 24. Trotzdem hatte ich in der vorentscheidenden Wettfahrt 20 Punkte verloren. Normalerweise wäre ich nach der Vorrunde 8. gewesen, nun fand ich mich auf Platz 23 wieder.

Für die Segler des LYC war dies in doppelter Hinsicht ein rabenschwarzer Tag, da Oltmann gleiches Missgeschick ereilte und ihm dadurch nach hervorragender Leistung nur das Silberfleet blieb. Was macht man nun in einer solchen Situation? Kopf in Sand stecken? Natürlich nicht! Trotzdem ärgerte ich mich tierisch. Denn nun zwang mich meine Platzierung hohes Risiko einzugehen. Bei den folgenden 4 Wettfahrten musste nun wirklich alles passen, um noch unter die top10 zu kommen. Mit meinem Bundestrainer stimmte ich eine neue Strategie ab. Mehr Risiko in der Großraumtaktik was bedeutete, dass ich über die Kreuzseiten zum Erfolg kommen musste. In den folgenden Wettfahrten wählte ich jedoch wiederholt die falsche Seite und konnte bei der extrem hohen Felddichte nicht mehr aus dem Mittelfeld nach vorne aufholen.

Gleiches passierte mir in den letzten beiden Wettfahrten, in denen ich zwar durchaus erfolgreiche Starts fuhr, sich dann jedoch in der Seitentaktik der Erfolg nicht einstellen wollte. Es sollte einfach nicht sein. Am Ende belegte ich den 27. Platz. Bei einer WM der Laser mit 160 Teilnehmern ist es immer noch eine gute Platzierung, meinen Ansprüchen ist das Ergebnis allerdings nicht gerecht geworden. Trotz einer hervorragenden WM-Vorbereitung und guter Trainingsergebnisse musste ich einsehen, dass sich Leistung planen lässt, nicht jedoch der Erfolg.

Oltmann belegte schließlich einen guten 72. Platz und hat sich damit für den Bundeskader qualifiziert. Mein Dank gilt ganz besonders dem Lübecker Yacht-Club und meinen Eltern, die mich in ganz besonderer Weise in dieser Olympia-Qualifikation unterstützt haben.

Euer Simon Grotelüschen