10.08.2008
Europameisterschaft in Nieuwport/Belgien
Eine nicht ganz einfache Saison liegt hinter mir.
Der Traum von Olympia war zuerst einmal geplatzt. Nach der enttäuschenden WM im Frühjahr in Australien brauchte ich zunächst ein, zwei Monate um Abstand zum Segelbusiness zu gewinnen und neue Motivation zu sammeln. Als ich Mitte April wieder verstärkt in das Wochentraining einstieg, wusste ich, dass bis zur Europameisterschaft im Juli nur wenig Zeit bleiben würde, eine optimale Leistung abzurufen. Denn das hatte ich im letzten Jahr gelernt: Entweder ganz oder gar nicht. Weltklasseleistungen kann man im Laser nur abrufen, wenn man sich voll und ganz dem Segelsport widmet.
Im Mai und Juni kämpfte ich mich im Training zurück. Auch wenn die Kieler Woche nicht die Ergebnisse lieferte, die ich erhofft hatte – Gesamtplatz 32 –, bekam ich nach und nach wieder ein gutes Gefühl für das Boot. Außerdem war ich konditionell in sehr guter Verfassung.
Mitte Juli fuhr ich nach Nieuwport zur EM. Seit der WM im Februar hatte ich nur an einer einzigen Vorbereitungsregatta teilgenommen. Sollte die Leistung trotzdem reichen? Das Minimalziel: Top16 und damit erneute Qualifikation für den Bundeskader.
Zunächst kam ich mit 2 achten Plätzen zwar ordentlich in den Wettkampf hinein, musste aber bereits nach 5 Wettfahrten 2 Streicher verbuchen. Der Druck wuchs. Ein großer Fehler durfte mir bei dem dicht gedrängten Feld nicht mehr passieren. Ich behielt meine Nerven im Griff und startete die Aufholjagd. Mit 4 top10-Plätzen in den letzten 5 Wettfahrten schob ich mich im Endresultat noch bis zum 10. Platz nach vorne.
Endlich wieder ein gutes Resultat! Ein sehr gutes sogar, wenn man bedenkt, dass das Niveau der Weltspitze im olympischen Jahr ganz besonders hoch ist.
In den letzten Monaten wurde ich des Öfteren gefragt, ob ich mit dem Segelsport aufhören werde. Dies ist natürlich nicht der Fall. Es ist jedoch wichtig, ab und zu Abstand zum Segeln zu gewinnen, um dann mit neuer Motivation und Kampfgeist anzugreifen.
Bis zum nächsten Jahr werde ich parallel zum Segelsport das Medizinstudium weiterführen, um im Sommer 2009 das Physikum zu absolvieren. Danach möchte ich in Kooperation mit der Universität in Kiel mein Studium bis zu den Olympischen Spielen 2012 ruhen lassen, um mir mein Kindheitstraum zu verwirklichen: Einmal bei den Olympischen Spielen teilzunehmen.
Euer Simon Grotelüschen